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Elbland-Kurier
Lokales

Riesa: Graffiti-Künstler gestalten graue Hauptstraßen-Kübel mit KI-Motiven um

Innenstadt Riesa

Von Redaktion4 Aufrufe
Vorher-Nachher-Collage: Links grauer, verschmierter Pflanzkübel auf der Riesaer Hauptstraße vor dem Geschäft Preuß, rechts fertig gestalteter Kübel mit buntem Graffiti-Motiv einer Familie auf dem Einkaufsboulevard, daneben ein Graffiti-Künstler bei der Arbeit
Aus grau wird bunt: Der erste Pflanzkübel auf der Riesaer Hauptstraße vor dem Umgestalten (links) und nach dem Graffiti-Einsatz durch Oliver Uhlmann und Wolfgang Prieps (rechts). – Foto: Quelle: Elbland-Kurier / Bildmontage

Riesas Boulevard bekommt Farbe

Sechs Jahre lang standen sie da und wurden nicht schöner. Die 15 Pflanzkübel auf dem östlichen Abschnitt der Riesaer Hauptstraße, zwischen Dr.-Scheider- und Pausitzer Straße, galten seit ihrer Aufstellung als Ärgernis. Grau, verschmiert, mit Hundeurin und Stickern bedeckt. Eine Stadtmöblierung, die niemand wirklich wollte und die trotzdem blieb, weil eine Gewährleistungsfrist dem Gestaltungswillen im Weg stand.

Diese Frist ist inzwischen abgelaufen. Und seit dem 17. Mai 2026 passiert tatsächlich etwas.

Am Sonnabend vor zwei Wochen griffen zwei Graffiti-Künstler aus der lokalen Szene, Oliver Uhlmann und Wolfgang Prieps, an einem ersten Kübel vor dem Uhren- und Schmuckgeschäft Preuß zur Dose. Die Vorlage lieferte Frank Limberger, seit Anfang des Jahres Innenstadtmanager bei Riesas Handels-, Gewerbe- und Verkehrsverein (HGV). Das Motiv zeigt eine Familie mit Einkaufstaschen auf der Hauptstraße und soll auf Riesas Stärke als längsten Einkaufsboulevard Sachsens hinweisen.

Was an dem Projekt bemerkenswert ist, geht über das Motiv selbst hinaus.

KI als Gestaltungswerkzeug im öffentlichen Raum

Das Ausgangsmotiv wurde mit Künstlicher Intelligenz generiert. Limberger hat das Bild entworfen, die Künstler haben es übertragen, Uhlmann freihändig, Prieps mit Schablonen. Das ist kein Pilotprojekt irgendeines Technologiekonzerns, sondern eine pragmatische Entscheidung eines kommunalen Innenstadtmanagers, der mit einfachen Mitteln ein sichtbares Ergebnis produzieren wollte. Ob die Verwendung von KI-generierter Kunst im öffentlichen Raum irgendwann zu einer Debatte wird, bleibt offen. Vorerst hat sie funktioniert.

Die restlichen 14 Kübel sollen folgen. Limberger hat nach eigener Aussage bereits weitere Motiventwürfe vorbereitet, darunter der Riesaer Riese, die Stahlindustrie, Nudeln, die Bildungs- und Kulturlandschaft der Stadt. Das Ziel ist eine Art Freiluftgalerie, die Riesas Identität stückchenweise sichtbar macht.

Privatinitiative statt Stadtplanung

Dass das Projekt überhaupt zustande kam, ist kein Verdienst der Stadtverwaltung, auch wenn OB Marco Müller die Aktion öffentlich angekündigt hatte. Treibende Kraft war eine Privatinitiative in Verbindung mit dem HGV. Die Stadt hatte zwar ihre Zustimmung erteilt, die Initiative selbst aber kam von unten. Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann laut Limberger Spenden an den Kulturförderverein richten, der als Partner mit eingebunden ist.

Das ist ein durchaus bekanntes Muster in deutschen Innenstädten. Dort, wo städtische Stellen jahrelang auf Gewährleistungsfristen verweisen oder schlicht untätig bleiben, schaffen am Ende Vereine, Gewerbetreibende und Einzelpersonen die Fakten. Der Kübel, der seit 2020 grau war und dessen Neugestaltung laut Pressemeldungen schon früh diskutiert wurde, ist ein kleines Lehrstück darüber, wie kommunale Bürokratie Gestaltungsprozesse verlangsamt und wie sie sich dann umgehen lässt.

Was aus dem Projekt wird, hängt jetzt davon ab, ob die Nachfolger des ersten Kübels denselben Aufwand bekommen, der in diesen ersten geflossen ist, oder ob das Engagement nach der Premiere nachlässt. Städtische Imageprojekte haben eine gewisse Neigung zur Erschöpfung nach dem ersten Foto.

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